Covid-19 Impfung in Bhutan

Covid-19 Impfung in Bhutan

Impfen auf bhutanesisch


Covid-19 Impfung in einem Entwicklungsland

 

Bei uns im Westen sind die Impfungen gegen Covid-19 mehr oder weniger gut angelaufen. Impfstoff ist rar, die digitalen Anmeldeplattformen «crashen» immer wieder mal und generell scheint die Massenimpfung nicht so recht in die Gänge zu kommen.

Und dies in unseren westlichen, hoch technologisierten Ländern mit einem der «besten» Gesundheitswesen der Welt...wie soll da ein Entwicklungsland wie zum Beispiel Bhutan die Massenimpfung auf die Reihe bekommen? Das Gesundheitswesen in Bhutan ist weit weniger entwickelt als in westlichen Ländern, in der Schweiz kommen zum Beispiel auf 10'000 Leute über 43 Ärzte, in Bhutan sind es gerade mal 4 Ärzte. 

Schwierige Voraussetzungen für Bhutan, aber wie so oft kann der Wille und Glaube Berge versetzen...



Glücksbringender Impftermin

 

Bhutan hat zwar bereits Mitte November 150'000 Impfdosen erhalten, aber mit der Impfung trotzdem erst Ende März begonnen. Die politische Führung des Landes hat in Absprache mit dem Je Khenpo, dem buddhistischen Oberhaupt Bhutans, den Impfstart auf eine glücksbringende Zeit im buddhistischen Kalender gelegt. Als besten Termin für den Start der Massenimpfung haben die buddhistischen Astrologen den Zeitpunkt um Ende März berechnet.

Nach einer dreitägigen buddhistischen Zeremonie am Flughafen in Paro traf am 22. März die zweite Ladung von weiteren 400'000 Impfdosen dort ein. Am 25. März hat der religiöse Führer  Je Khenpo eine rituelle Reinigungszeremonie veranstaltet und am 27. März hat Bhutan mit der Massenimpfung begonnen.



In einer Woche die gesamte Bevölkerung geimpft

 

In Bhutan leben um die 750'000 Menschen. Für eine Impfung infrage kommen rund 530'000 Einwohner. Kinder, Jugendliche unter 18, schwangere Frauen und stillende Mütter sind ausgenommen. Die erhaltenen 550'000 Impfdosen reichen aus, um allen Impfwilligen die erste Impfdosis zu verabreichen. 

Der Impfstoff musste teils mit Flugzeugen und Helikopter, teils über die Strasse oder sogar zu Fuss im ganzen Land verteilt werden. Bhutan hat in etwa die Grösse der Schweiz, aber das Strassennetz ist viel weniger dicht und an vielen Orten schlecht ausgebaut. 

Die Regierung hat das Unglaubliche geschafft und in einer Woche alle impfwilligen Bhutanesen gegen Covid-19 geimpft. Die zweite Impfdosis soll im Frühsommer erfolgen. Danach will das Land die teils strengen Covid-19 Bestimmungen lockern und auch touristische Einreisen sollen ab der zweiten Sommerhälfte wieder möglich sein. Darauf hoffen viele im Tourismus tätige Bhutanesen sehr. Für viele ist der Ausfall des Einkommens die grössere Sorge als eine mögliche Ansteckung mit Covid-19. 



Impfen auf 4000 Metern Höhe

 

Einige Regionen wie zum Beispiel Lunana (diese Region wird beim Snowman Trek durchquert) liegen weit ab von jeglichen Strassen und auf einer durchschnittlichen Höhe von 4000 Metern. Ein kleines Team bestehend aus einem Arzt, einer Krankenschwester, zwei Gesundheitsassistenten und einigen Träger hat mit teils über 12 Stunden langen Märschen die entlegenen Dörfer aufgesucht und dort die Einwohner geimpft. Die gesamte Ausrüstung musste auf dem Rücken mitgetragen werden. Dazu sind die Temperaturen in dieser Jahreszeit und auf dieser Höhe oftmals im tiefen Minusbereich. Als Arzt in Bhutan braucht es nicht nur medizinische Fähigkeiten, sondern auch noch einiges an Durchhaltevermögen.

Eine kleine Skizze dieser sehr aufwendigen Impfaktion ist unten. Mehr Infos dazu in einem Bericht des Kuensel, einer der wichtigsten Zeitungen Bhutans. 

 

Covid-19 Impfung in Lunana, Snowman Trek, Bhutan


Und woher hat Bhutan überhaupt den Impfstoff?

 

Eines der knappsten Güter der Gegenwart scheint Impfstoff gegen Covid-19 zu sein. In Europa sorgt die Verteilung des Impfstoffes für einigen Unmut und es wird darüber nachgedacht, Impfstofflieferungen in andere Länder oder auch in Nachbarländer zu blockieren.  Ob dies wirklich zielführend ist, bleibe dahingestellt. 

Man fragt sich da, wie ein finanzschwaches Entwicklungsland überhaupt an Impfstoff kommt? Der Nachbar Indien ist einer der weltweit grössten Impfstoffproduzenten. Obwohl Indien zur Zeit selber deutlich zuwenig Impfstoff für seine eigene Bevölkerung (1.3 Mrd.) hat, scheint es doch die Einsicht zu haben, dass die Pandemie nur global gelöst werden kann. So hat Indien an seine Nachbarländer nicht nur Impfstoff gegen Bezahlung geliefert, sondern auch verschenkt. Für Bhutan waren dies die bereits im Januar gelieferten 150'000 Impfdosen. 

Es bleibt zu hoffen, dass sich die Politiker bei uns und in anderen westlichen Ländern daran ein Vorbild nehmen. Mit buddhistischer Nächstenliebe und asiatischer Gelassenheit scheint man besser durch die Pandemie zu kommen ;-)