Coronavirus im Himalaya, aktuelle Reisesituation

10 Fragen und 10 ehrliche Antworten

Thomas Zwahlen, Gründer von Himalaya Tours


Beginnen wir mit der Frage, welche viele interessieren dürfte. Ab wann kann im Himalaya wieder gereist werden?

Warte kurz, ich hole schnell mal meine Kristallkugel...

Nein, Spass beiseite. Mit der sich rasch verändernden Corona-Situation ist eine Prognose schwierig. Wir teilen aber die Meinung vieler Reiseexperten, dass sich die Reise-Situation ab dem Sommer normalisieren dürfte und für den Herbst sind wir sehr optimistisch, dass Reisen ohne grosse Einschränkungen und von der Corona-Situation her sicher durchgeführt werden können. 


Was meinst du zum Frühling? Nepal hat ja soeben erleichterte Einreisebedingungen verkündet. 

Das stimmt. Ab dem 19. Januar 2021 kann man in Nepal einreisen, ohne in Quarantäne zu müssen. Nachtrag: Am 29. Januar kam die Meldung, dass die Quarantäne für Touristen wieder in Kraft ist. Dies für 7 Tage bei Einreise nach Nepal. Nepal und Indien haben momentan tiefe Fallzahlen und nur wenige Neuansteckungen und das Leben vor Ort hat sich normalisiert. Die erste Welle haben die Regionen definitiv hinter sich. Aber aus eigener Erfahrung wissen wir ja: «Man soll die erste Welle nicht vor der zweiten loben...» 

Dazu ist die internationale Corona-Situation sehr volatil mit den hohen Infektionszahlen bei den zweiten und dritten Wellen in vielen Ländern, den verschiedenen Virusmutationen und anderem mehr. So ist eher nicht damit zu rechnen, dass sich die Reisesituation in den nächsten paar Wochen schon normalisieren wird.  Mein Rat ist, eine Himalaya-Reise je nach Region erst ab Sommer oder im Herbst zu planen.

Hier gibt es täglich aktualisierte Infos zur Reise- und Corona-Situation im Himalaya


Bei anderen Reiseveranstaltern haben wir aber auf der Website gelesen, dass man im Frühling problemlos nach Nepal reisen könne. Wie das?

Geschäftlich war das letzte Jahr für die Reisebranche hart und vielen Reiseveranstaltern steht das Wasser mittlerweile zum Hals. Alle hoffen natürlich auf einen möglichst schnellen Start der Reisetätigkeit, um die leeren Kassen wieder zu füllen. Dies kann dazu führen, dass «der Wunsch der Vater des Gedankens wird» und man die Situation «ein bisschen sehr optimistisch» darstellt. 

Uns ist es wichtig, eine ehrliche Einschätzung der Lage zu geben, auch wenn wir uns geschäftlich einen schnelleren Start der Reisetätigkeit wünschen würden. Sollte die Situation aber im März/April gut sein, dann können wir dank unserer guten Kontakte vor Ort innerhalb weniger Tage eine Reise dorthin organisieren. Wir empfehlen abzuwarten und allenfalls erst kurzfristig zu buchen.


Wie sieht es bei Himalaya Tours punkto finanzieller Situation aus?

Wie die gesamte Reisebranche konnten wir im 2020 kaum Reisen durchführen und haben unser mit Abstand schlechtestes Geschäftsjahr erlebt. Zugute kommt uns, dass wir vorher gute Jahre hatten. Es hilft uns zudem sehr, dass wir keine grossen Verwaltungsratshonorare* auszahlen, sondern stattdessen in den letzten Jahren genügend Reserven gebildet haben. 

Zudem hat uns die Corona-Krise letztes Jahr bereits im Januar beschäftigt, als wir da vorsorglich unsere ersten Tibetreisen annulliert haben. Durch die frühen Auswirkungen der Pandemie auf unser Geschäft haben wir sehr frühzeitig reagieren können im letzten Jahr und da bereits Kosteneinsparungen und Anpassungen gemacht. Zusammen mit den Hilfen des Bundes (Kurzarbeit, Covid-Kredite, etc.) können wir eine lange «Durststrecke» überbrücken und sind gerüstet für was auch immer noch kommen mag. 

*Hinweis: Die Verwaltungsräte von Himalaya Tours erhalten keinen einzigen Rappen Verwaltungsratshonorar, sondern einmal pro Jahr ein Mittagessen als Entgelt für die Arbeit. Stattdessen werden die Mitarbeiter in Parpan wie auch die lokale Crew im Himalaya jeweils am Profit von erfolgreichen Geschäftsjahren beteiligt.


Und wie geht es eurer Crew im Himalaya? Diese «arbeitslose» Zeit muss in den Himalaya-Ländern ja noch viel schwieriger sein als bei uns.

Das ist tatsächlich der Fall und dies war auch unsere grösste Sorge, als sich im letzten Frühling das Ausmass der Krise abgezeichnet hat. Umso schöner für uns, dass unser Projekt «Bildband zu verschenken» so erfolgreich war. Da sind mehr CHF 80'000 zusammengekommen. Dazu haben Himalaya Tours wie auch Thomas Zwahlen privat über CHF 30'000 in dieses Projekt investiert. 

Mit dem Geld haben wir die lokale Crew in den verschiedenen Himalaya-Regionen unterstützt im letzten Jahr. Die am schwersten von der Situation betroffenen Mitarbeiter dürfen sich auf eine weitere finanzielle Unterstützung freuen. Diese werden wir pünktlich zum Losar (tibetisches Neujahr, 12. Februar 2021) überreichen können. Aber psst, nichts verraten, dies soll eine Überraschung sein für die lokale Crew ;-)

Mehr Infos zur Corona-Hilfe im Himalaya


Was hast du letztes Jahr so gemacht, nachdem kaum Reisen möglich waren?

Einen Teil unserer angesammelten Überstunden der letzten Jahre abgebaut, die Schweizer Bergwelt erkundet, einige Projekte ausserhalb des Himalayas weiterverfolgt und uns viele Gedanken über das Reisen nach (oder mit) Corona gemacht. 


Was sind deine Erkenntnisse bezüglich Reisen und Corona?

Meine persönliche Erkenntnis ist, dass ich meine Reiseträume nicht auf später verschieben sollte. Sondern besser gleich anpacken, wenn sich eine Möglichkeit bietet. Das Jahr 2020 hat mir einmal mehr gezeigt, dass unser Leben nicht so planbar ist wie wir dies oftmals glauben. Man weiss nicht, was wann noch kommt. Ich war die letzten Jahre «zuviel» im Büro und «zuwenig» auf Reisen und wollte dies im 2020 ändern und etliche schon lange geplante Reisen nachholen. Aber natürlich sind auch bei mir die meisten Reisen wegen Corona ins Wasser gefallen.

Allgemein hoffe ich, dass wieder bewusster gereist wird und Reisen nicht ein selbstverständliches und «billiges» Konsumgut sind. Dass man anstelle für CHF 50 nach London zum Shopping zu fliegen, eher eine oder zwei längere Reisen pro Jahr macht, auf welche man sich freuen und vorbereiten kann. 


Hat Himalaya Tours Anpassungen aufgrund der Corona-Situation gemacht?

Bei uns im Büro gibt es immer wieder Anpassungen, je nach Corona-Bestimmung des Bundes. Auch bei unseren Reisen haben wir Anpassungen vorgenommen. Dies weniger am Reiseprogramm, da die meisten unserer Touren seit jeher durch wenig besuchte Regionen führen, weit weg von Menschenmassen. Zudem werden wir für alle zukünftigen Reisen die nötigen Sicherheits- und Hygienemassnahmen bezüglich Corona treffen und allenfalls auch Reiseprogramme oder Übernachtungsorte kurzfristig anpassen, um jeglichen Menschenansammlungen auszuweichen. Auf Trekkings stellt dies generell kein Problem dar, da sind wir oftmals während Tagen praktisch alleine in der freien Natur unterwegs sind.

Einige wichtige Punkte haben wir wegen Corona angepasst. Einerseits die Annullationsbestimmungen, falls eine Reise wegen der Corona-Situation nicht durchgeführt werden kann. Da übernimmt Himalaya Tours sämtliche Annullationskosten und wir erstatten den vollen Betrag ohne Wenn und Aber zurück. Unsere unkomplizierte Handhabung bezüglich voller Rückerstattung oder kostenloser Umbuchung haben unsere Reiseteilnehmer im 2020 sehr geschätzt. Zudem haben wir unsere maximale Gruppengrösse auf 10 Personen limitiert. Unsere durchschnittliche Gruppengrösse war die letzten Jahre im Bereich von 6 – 8 Personen. 


Lohnen sich denn die kleinen Gruppen für euch überhaupt noch?

Finanziell lohnt sich eine grosse Gruppe mit 12, 14 oder mehr Personen natürlich deutlich mehr. Unser Aufwand bleibt sich in etwa gleich, ob wir eine Reise für nur 6 oder für 14 Personen organisieren. Der finanzielle Aspekt ist aber nur die eine Seite. Die meisten unserer Reiseteilnehmer möchten neben der phantastischen Bergwelt auch einen Einblick ins Leben und die Kultur der Bewohner im Himalaya erhalten. Und Begegnungen mit Einheimischen oder spontane Einladungen sind vielleicht eines der eindrücklichsten Erlebnisse mancher Himalaya-Reise, aber in grossen Gruppen ist dies nicht zu erleben. Auch sind wir in kleinen Gruppen flexibler, falls es die Situation unterwegs erfordert oder wir spontan auf ein Dorffest oder eine Gebetszeremonie treffen. Die Feedbacks der Reiseteilnehmer und die vielen «Wiederholungstäter» zeigen uns, dass wir mit der Philosophie der Kleingruppen auf dem richtigen Weg sind. Und langfristig gesehen lohnen sich für uns die Kleingruppen dann eben auch, da wir dadurch auf viele Stammkunden zählen dürfen.

Neben den Kleingruppen organisieren wir auch Jahr für Jahr mehr Privatreisen. Dies sind Reisen für eine Person, ein Paar oder einige Freunde, welche zusammen unterwegs sein wollen. Dank unserer grossen Himalaya-Erfahrung und den guten Ortskenntnissen können wir da komplett massgeschneiderte Reisen anbieten. Wir rechnen damit, dass Privatreisen wegen der Corona-Krise noch gefragter sein könnten. 


Zehnte und letzte Frage: Wohin planst du deine nächste Reise?

Auf dem Plan habe ich eine der populären Regionen wie zum Beispiel das Everest-Gebiet. Da hat es mir in «normalen» Jahren eher zuviele andere Trekker. Es ist im 2021 damit zu rechnen, dass nicht so viele Reisenden wir in den Vorjahren unterwegs sein werden. Es ist eine der positiven Seiten der Corona-Situation, dass man gerade in populären Regionen reisen kann «wie vor 30 oder 40 Jahren». Dies habe ich im letzten Oktober am Kilimanjaro selber so erlebt. Ich bin sämtliche möglichen (und unmöglichen) Routen auf den Kilimanjaro gelaufen und stand vier Mal auf dem Gipfel…dies immer mutterseelenalleine. In einem «normalen» Jahr wären einige Hundert Personen pro Tag am Gipfel unterwegs gewesen. 


Danke für die ehrlichen Antworten.